9 Ärzte und 52 medizinische Fachangestellte aus 19 Gäu-Arztpraxen konnte W. Veser, Herrenberger Chirurg, Unfallchirurg u Gesundheitsökonom, als Organisator  bei der turnusmäßigen GäuMed- Fortbildung zum  Thema „ Hygienemanagement in der Arztpraxis“ am 20.10.2012 begrüßen. Die große Zahl der Teilnehmer/innen verdeutlicht wie gewissenhaft die Ärzteschaft im Gäu mit dem Thema „Hygiene“ umgeht. Regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen für Ärzte und medizinische Fachangestellte zu Themen wie Hygiene, Notfallmanagement, Datenschutz, Qualitätsmanagement, ect. sind seit mehreren Jahren fester Bestandteil der Arbeit von GäuMed.  Hygienemanagement und damit Infektionsprophylaxe sei- so Veser – keinesfalls nur ein Thema für die Klinik, wenngleich hier das Risiko – und auch das Presseecho- größer seien. Allein schon das Problem der multiresistenten Keime (z.B. MRSA) erfordere sektorenübergreifend Kenntnisse und  Maßnahmen.

Mit Toni Zanette, Leiter der Zentralen Sterilgutversorgung der Universität Tübingen, referierte  ein weit vernetzter und beachteter Experte zur praktischen Umsetzung der immer komplexer werdenden gesetzlichen Bestimmungen.

„Gesetze, Richtlinien und Verordnungen sind zwar trocken, aber ihre Kenntnis wird für die Arbeit in einer Arztpraxis jeder Fachrichtung als Basis vorausgesetzt“ so Zanette. Sie bilden die Basis für zwischenzeitlich flächendeckend durchgeführte Begehungen durch Gesundheitsamt und Regierungspräsidium. „ Die Kenntnisse werden vorausgesetzt, Zeitmangel ist keine Ausrede“ so Zanette.

Er forderte primär in jeder Arztpraxis eine  Risikobewertung und Ist- Erfassung. Diese müsse organisatorische Maßnahmen (Personalhygiene, Arbeitsschutz, Patientenmanagement,  Injektionen u. Punktionen , Aufbereitung und Entsorgung) sowie baulich- technische Anforderungen ( Behandlungsräume, Sanitärräume, Lagerräume, Inventar…) umfassen. Ergebnisse der Risikoanalyse   und Ist-Erfassung würden zur Erstellung von Arbeits- und Verfahrensanweisungen benutzt; sie gehörten heute in jede Arztpraxis und sollten alle relevanten gesetzlichen und normativen Vorschriften genügen.

Jede verantwortungsvolle und gut geführte Arztpraxis verfüge heute über einen detaillierten Hygieneplan, er diene dem Schutz von Patienten, Personal und Dritten.  Er regle alles, von der Hände- über die Flächendesinfektion, die Aufbereitung von Instrumenten, den Umgang mit Medikamenten, die Abfallentsorgung bis zur Erfassung von Infektionen und Meldung übertragbarer Erkrankungen. Regelmäßige Schulungen des Personals seien unabdingbar.

Zanette betrachtet die „Händehygiene“ als zentralen Faktor der Infektionsprophylaxe in Praxis und Klinik. Bei jedem Händedruck würden ca. 250 verschiedene Keine den Träger wechseln. Mit konsequenter Händehygiene und Flächendesinfektion lasse sich die Keimübertragung und damit die Infektionsgefahr deutlich senken. Drastische Beispiele aus Praxis und Klinik verdeutlichten Zanettes Ausführungen.

Der Verzicht  auf den Händedruck mit zum Teil über 100 Patienten am Tag könne, gerade in der nasskalten Jahreszeit mit Schnupfen und Husten, zu deutlich geringerem Keimübertragungsrisiko führen. Dies vor allem dann, wenn Arzt und Personal zusätzlich  eine konsequente Händedesinfektion, Haut- und  Flächendesinfektion ( z.B. Liegenflächen, Türklinken…) durchführen.

„Umfassende Desinfektionsmaßnahmen gehören heute obligat in jede Klinik und Praxis, nicht jedoch an den Küchentisch und den Standard-Haushalt, denn unsere „Hauskeime“ sind  wir schließlich seit Jahr und Tag- wie auch unsere Mundflora – gewohnt“ so Zanette. Deshalb mache uns auch unser Smartphone nicht krank, obwohl auf diesem 400 mal mehr Keime nachweisbar seien  als auf der häuslichen Toilettenbrille.